Geschichtliches
Geschichte des Herrenhofes in LisewoEine Geschichte erzählt durch die ältesten Bäume - eine Hainbuche und eine Linde - die seit Jahrhunderten in der Hofanlage Lisewo wachsen.
Hainbuche: Überaus bezaubernd ist unser Hof und wie rührselig seine Geschichte ist.
Linde: Es begann im XV Jh. Du bist hier mit vielen anderen Hainbuchen von Anfang an. Du musst auch vieles gesehen haben und dein Gedächtnis weiß bestimmt nicht wenig.
Hainbuche: Eintrocknen soll ich, wenn das nicht der Wahrheit nahe ist. Meine Erinnerungen an die geschätzte Familie Lisewski sind noch frisch. Sie haben dem Dorf seinen Anfang gegeben. Wir gehörten der Pfarrgemeinde Salin an. Gute Zeiten haben für uns begonnen, weil auch Lisewskis ehrbare Leute waren. Als wär es gestern gewesen…vom Wappen Leliwa war diese Adelsfamilie. So wurde auch ihr Vermögen im polnischem Recht festgesetzt.
Linde: Ich bin eine von vielen Linden dieser wunderschönen Zufahrtsallee vor dem Gebäude. Du hingegen wächst im Verlauf von zwei gut erhaltenen Lindenalleen an der Rückseite des Hofes. Kannst du dich vielleicht daran erinnern seit wann der Park seine jetzige Struktur besitzt?
Hainbuche: In der zweiten Hälfte des XVI Jh., genau 1575, wurde das vermögen zwischen zwei Familien aufgeteilt. Familie Dziecielew, die von hier fortgegangen ist, was auch gut war, weil sie ein Zügelloses Leben geführt haben und das gute Erbstück der Lisewskich in Gefahr bringen konnten. Hier vor Ort blieb die überaus Wohlgeborene Familie Jackowski, die in Lisewo bis in die zweite Hälfte des XVIII Jh. verblieb. In diesen Zeiten entstand die Bebauung unseres Dorfes, sowie auch unsere Park – Hofanlage in der wir schon seit vielen, vielen Jahren rauschen.
Linde: Familie Jackowski musste wohlhabend gewesen sein.
Hainbuche: Freilich! 1605 kauften sie Przebedowo und drei Jahre später verbanden sie Lisewo und das nahe gelegene Jeczewo in eine Gütergemeinschaft. Wohlstand herrschte auf unserem Herrenhof und unser Eigner hatte viele Bedienstete darunter einen Schafshirten und sogar zwei Bauern.
Linde:Warum haben Sie dann Lisewo verlassen? Was war passiert?
Hainbuche: Gute Leute sagen „das Herz sei kein Diener“. Der Amor Pfeil traf den letzten der wohlhabenden Familie Jaskowski, der sich lange vor einer Hochzeit wehrte. Im Frühling des Jahres 1704 verlor er sein Herz an eine einheimische Magd. Man Überraschte sie während einer liebevollen Umarmung hier am Parkteich. Die Mesalliance wurde rasch in der ganzen Umgebung umschrien. Unser Herr, ein Mensch voller Ehre, blieb seinen Gefühlen treu. Er verkaufte seinen Besitz, und verschwand mit seiner Geliebten im Inland.
Linde: Er musste ein tapferer Mensch gewesen sein, es war doch die Zeit, wo wir mit den Schweden in Konflikt waren. Was passierte mit dem Hof und dem restlichen Vermögen?
Hainbuche: 1704 wurde Dergumir Bartnisch der neue Besitzer, ein Bürgersmann aus Lebork, der mit seiner jungen Frau, kurz nachdem Stanislaw Leszczynski zum König von Polen gekrönt wurde, hierher zog. Ein ruhiges und würdevolles Leben führten sie, außerhalb vom Kriegstumult und politischen Auseinandersetzungen. Als ihre Töchter Erwachsen wurden, träumten sie von Krakau und so kam es auch 1784 letztendlich dazu, dass der Baron, mit dem stolz klingendem Namen Johann Georg Bernhard von Wendenberg, Eigentümer von Lisewo wurde.
Linde: Ich erinnere mich daran, dass der Baron ein guter Mensch gewesen ist und seine Tochter überalles geliebt hat.
Hainbuche: Es ist die wahre Wahrheit. Baron von Wendenberg verwaltete Lisewo hervorragend. Er eignete sich sogar den Weiler Kostkowo an, und im Teich ließ er Karpfen und Karauschen züchten. Seine Weinrebe hingegen verbrachte viel Zeit zwischen uns – Bäumen, um ruhrselige wundervolle Gedichte zu schreiben. Viele von ihnen waren überaus Fromm und der Kleriker in der Gniewino Gemeinde hat sie als Beispiel großen Glaubens aus seiner Kanzel her vorgetragen. Deshalb wollte ihr Vater auch, dass seine Tochter die weite große Welt mit ihrer Poesie liebkostet. So sind sie mit der ganzen Familie fortgefahren und übergaben Lisewo und das halbe Tadzin für 38000 Talaren. Diesmal traf unser Hof, die Parkanlage mit ihrem Obstgarten und das Dorf in die Hände von Kapitän Karl Adam Franz von Breitenbach.
Linde: Es war ein verhängnisvolles Jahr.
Hainbuche: O ja, so war es. Der Kapitän verlor ein großes Teil des Vermögens beim Kartenspiel und den Rest verkaufte er im Jahre 1804 dem Ratsmitglied Witebe. Der wiederum erlebte hier eine hohes Alter und nach fünfzig Jahren verkaufte er das ganze Vermögen für einen guten Preis von 25000 Talaren an Johann Gotlieb Eduard Zielcke. Jener war ein Mensch der Tat und machte sich schwungvoll ans Werk.
Linde: Das war das Jahr 1853, richtig?
Hainbuche: Es war eine wichtige Zeit für unser Lisewo. Johann Zieckele hatte einen großen Einfluss auf das jetzige Aussehen des Hofes und der ganzen Parkanlage.
Linde: Ich weiß, ich weiß. Bis heute haben sich noch viele der damaligen Grundkonzeptionen erhalten, wie der innerliche Gebäudetrakt, der den Wohn und Erholungsbereich vom Haushaltsbereich trennt. Gegenwärtig ist er Bestandteil der Landstraße, die Lisewo mit Kostkowo verbindet.
Hainbuche: Für mich bleibt in guter Erinnerung, dass man den Park in Form eines regulären Rechteckes projektiert hat, mit einer halbkreisförmigen Anfahrt zum Hof und einem ausgesonderten Obst und Gemüsegarten auf der südlichen Seite. Ordnung ist in diesen Zeiten eingetreten.
Linde: Warum übernahm dann 1889 die Kreditbank Boden das ganze Guthaben?
Hainbuche: Zielcke hat sein ganzes Vermögen investiert. Vergiss nicht, dass es bewegte Zeiten waren und jeder nächste Tag ziemlich ungewiss.
Linde: Und deshalb war über die nächsten vierzig Jahre so viel los auf unserem Hof?
Hainbuche: Es ist nicht die Schuld der weiten Welt, sondern einzig und allein der leicht entflammbaren Herzen der folgenden Besitzer. Es waren einige. Jeder ein reizvoller Mann und willig zur Heirat. 1883 erwerbt Alfons Amorti den Hof mit seinen Gütern und nur sechs Jahre später verliebte er sich in eine Witwe aus Kostkowo. Sie flüchteten vor Klatschgeschichten Ehestifter, die unzufrieden waren, dass man nach dem Sonntagsgottesdienst nicht palavern konnte. Der nächste Besitzer, er nannte sich Robert Hermann, verkaufte im Jahre 1893 Lisewo weiter, als er von örtlichen Mitbewohnern herausfand, dass er selbst an Türen von vielen Fräuleins klopfte und jede um ihre Hand bat. Aus den Scherereien erlöste ihn im Mai 1893 der neue Besitzer Heinrich Gumz.
Linde: Und was hat er gemacht?
Hainbuche: Gleich nach dem Einkauf heiratete er eine lokale Dame. Achtung in den Herzen anderer gewann er dadurch, weil die Dame Weise ohne Mitgift war, wenn auch bildhübsch. Ihr idyllisches Leben unterbrach ein großer Dorfbrand im Jahre 1907, der Lisewo bedeutend zerstört hat. Große Schäden betrafen unseren Hof nicht, der 1910 schon 540ha groß war.
Linde: Erzähl mir noch die Geschichte von dem letzten Vorkriegsbesitzer.
Hainbuche: In den zwanziger Jahren wurde Lisewo zusammen mit dem Hof von einem gewissen Kranthig gekauft, der mit uns bis 1945 gelebt hat, als er dann an Seite seines Bruders bei Kriegsgeschehen umkam. Ein großer Verlust, weil er ein ordentlicher und Schwungvoller Hausherr war.
Linde: Angeblich hat er seine Initialen mit dem Datum 1936 am Gipfel eines Gebäudes hinterlassen?
Hainbuche: Er hat auch prächtige Haushaltsgebäude hinterlassen, die auf der westlichen Seite der Lilienallee liegen. Ich erinnere mich noch gut daran, dass es außer des größten Hofes, noch zwei kleinere gab, die auch umgeben von Haushaltsgebäuden waren.
Linde: Diese Zeiten sind unwiederbringlich vorbei, aber zum Glück ist uns ein Andenken in Form einer neuen Straße geblieben, die sich bis nach Kostkowo zieht und beidseitig mit Ahornen besetzt ist.
Hainbuche: Eins ist sicher, jeder Besitzer hat sich um uns Bäume gekümmert. Deshalb sind wir auch so zahlreich. Allein fünfzehn von uns sind Naturdenkmäler.
Linde: Aber das wichtigste ist, dass wir nicht mehr in den Händen des Staatsgutes sind.
Hainbuche: Wir waren es seit 1946 und ich habe keine Lust darüber zu reden.
Linde: Und wie wird das jetzt mit uns weitergehen?
Hainbuche: Meine liebe Linde. Schau doch nur auf unseren geliebten Hof. Kannst du dich jemals daran erinnern, dass er so wunderschön aussah? Vor uns ist eine neue, fruchtbare Zeit der ich sehr gespannt bin.






